imaginär

Ich weiß nicht warum, aber als ich neulich im Konferenzraum einer Notarin saß, die beglaubigen sollte, dass ich eine Urkunde unterschrieben habe, da kam mir in den Sinn, unter welchen Umständen ich das Wort „imaginär” gelernt habe.
Es war zu Schulzeiten, im ersten Jahr meiner Teilnahme an der Theater-AG. Wir probten Unsere kleine Stadt von Thornton Wilder, ich war der Zeitungsjunge, der morgens durch den Ort ging und die Zeitungen vor die Haustüren schleuderte, wo wahrscheinlich schon Milchflaschen und Brötchentüten standen und lagen.
In der Regieanweisung stand: „wirft die imaginären Zeitungen in die imaginären Hauseingänge”, oder so ähnlich.
In der Szene kam auch ein Knie vor, das das Wetter vorhersagte, und ein Doktor Gibbs, der einzige Arzt des Ortes, der vermutlich nicht nur seine Patienten, sondern auch deren Familien mit ihren Krankengeschichten rückwärts bis in die Zeiten von George Washington und seiner Martha kannte, kann ja sein. Ich konnte mir nie merken: Dschibbs oder Gibbs?
Das Wort „imaginär” kannte ich nicht, und ich fragte einen-eine von den Großen.
Mir wurde gesagt: Imaginär heißt: nur eingebildet, nur in der Vorstellung vorhanden.
Das habe ich dann ein für alle Mal gewusst.
Im Konferenzraum stand ein großer Ficus. Während ich wartete, sah ich zu seiner Ecke hinüber wie vielleicht zu einem Hund, der dort hätte liegen können, mit zappelnden Pfoten im Schlaf.
Statt mir das Geld herauszugeben, sagte die Notarin fröhlich: „Den einen Cent behalte ich – für’s Glück!”

Ein Gedanke zu “imaginär

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