Unbekannt

Vier Anrufe in Abwesenheit waren in das Speicherkissen meines Handys gesunken. Vier Abdrücke.
Zu Hause schrieb ich Unbekannt: „In meinem Tran hab ich mein Handy in Heinz‘ Auto liegenlassen, so dass ich eine etwaige Einladung von Dir zum Essen nicht abhören kann. Vielleicht komm ich gegen halb sieben mal vorbei und guck in die Töpfe.”
Die Antwort – „Halb sieben ist zu spät, besser Du kommst jetzt bald, muss heute früh zu Bett, Wetter macht mich depressiv, Essen ist von gestern, aber lecker. Gruß” – hat mich nicht erreicht.
Der Türsummer ertönte nach einer kurzen Weile, gerade so lang, dass ich sie als Dauer wahrnahm.
Selber müde, verging fast eine Stunde, ehe ich fragte: „Hast du geschlafen?”
U. war dabei, seine Tasche zu packen.
Ob er noch raus wolle?
Unbekannt lachte. „Das hast du nett formuliert.”
Da fiel mir wieder U.s Nachtdienst ein.
Er drehte gerade mit philosophischer Ruhe eine Banane in der Hand.
Die Banane war unansehnlich. Sie schien nicht alt, denn sie wies nicht die Giraffenflecken alter Bananen auf, aber sie hatte grauschwarze Verfärbungen, wie bei einer Alukartoffel, die man in der Glut vergessen hat und die nun Spuren von Oxydation, Ruß und Asche trägt.
„Innen ist die noch gut”, sagte U. ohne Sturheit und steckte sie zu den anderen Sachen in die Tasche und zog den Reißverschluss zu.
Ich war verschnupft und Unbekannt machte mir Tee.
„Bist du langweilig?”, fragte ich sie, eine Zukunft überfliegend.
„Ja sicher”, sagte sie mit Überzeugung, aber ich glaubte ihr nicht.

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