Marzipanbrot

Ich erinnerte mich an früher, wenn es in unserer Familie Nachtisch gab.
Es lag dann zum Beispiel ein Marzipanbrot auf dem Tisch, das Vater zwölftelte oder vierzehntelte – ich weiß nicht mehr genau -; die Stücke ordnete er kreisförmig auf einem Schneidebrettchen an, und dann sagte er, an einen von uns gewandt: „Merk dir ein Stück!” (geheim, welches). Und einen anderen forderte er auf: „Sag eine Zahl zwischen 1 und 10!” Der erste musste nun sagen, welches Stück er sich gemerkt hatte, und wenn der andere „acht” gesagt hatte, wurden von dem ‘gemerkten’ Stück ausgehend im Uhrzeigersinn die Marzipanstücke abgezählt, und das achte bekam dann der, der „acht” gesagt hatte.

So:
„Merk dir ein Stück!”
Alle Augen richteten sich auf das Marzipan, das kostbare.
„Sag eine Zahl zwischen eins und zehn!”
„Vier!”

„Welches hast du dir gemerkt?”
Zeigen (mit dem Finger). Abzählen (mit dem Messer):
„Eins – zwei – drei – vier. Da!”

Die verbliebenen Stücke wurden zusammengeschoben, damit es wieder ein Kreis würde, und es wiederholte sich das karge Spiel. Gerecht sollte es sein, und das war es wohl.

Ob die, die schon ein Marzipanstück zwischen Daumen und Zeigefinger drehten oder in ihrer Handfläche bewahrten und wie ein fabelhaftes Insekt besahen, dieses sofort aßen oder, aus Höflichkeit oder um sich länger zu freuen, warteten, bis alle eines hatten, weiß ich nicht mehr.

Meist gab es Quark, einen Becher Yoghurt oder einen Riegel Schokolade.

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