Tierbau Bücherhöhle

Vögel waren die Ausnahme.

Eddie sprang mich an wie immer. Wiedererkennensfreude oder Randale?
Sein griffiges Pudelfell war erbarmungswürdig geschoren, er sah aus wie ein Lämmchen. Die schwarzen Augen, sonst als glimmende Knöpfe nur erahnbar, blickten kritisch und irgendwie humorlos.

Überhaupt die Hunde all:
Till, der schöne Königspudel von Frau Dziersk.
Sie hatte zuweilen Vertretung gemacht, vor meiner Zeit. Eine liebenswürdige Person, mit Herbheiten. Mann kriegsblind, ich schüttelte oft seine verstümmelte Hand.
„Was lesen Sie?”
„Erbsen in die Suppe.”
Jutta.
Flore, die eines Tages mit Schwung mitten in den Raum gelaufen kam, und dann wieder, einige Monate später.
„Kommst du mit zu Rudi?”
Sie trabte leicht neben mir her.
Indi, Pastor Sürgers‘ Hund, das bravste Tier von allen.
Wenn er zelebrierte, Pastor, schlief er in der Sakristei, Indi.
Indi ist gestorben, aber Pastor Sürgers sehe ich hin und wieder noch, und erinner mich gut, wie er einmal in der Fußgängerzone langsam an mich heran radelte und mir erst in den Rücken, dann auf Augenhöhe und schließlich halb sich zurückwendend, dabei immer gemächlich in die Pedale tretend (der Sattel war ganz niedrig gestellt), die kurzgefasste Geschichte vom plötzlichen Tod des Altbischofs Lettmann in Jerusalem erzählte.
„Er ist in der Geburtskirche umgekippt! Ist das nicht schön?!”, meinte er mit breitem Christenlächeln, das sich nun stetig entfernte, Cheshire Cat, er war auch schon fast zu Hause.
Paul braucht jetzt etwas, bis er mich erkennt, aber dann freut er sich und schleckt mir beiläufig über Hand oder Nase. Er würde mich respektieren in seinem Rudel.
Ich ließ ihn meist unangeleint, unterm Tisch liegend, stupste er mit seiner Nase gleichgültig, fordernd, seinen durchgesabberten Tennisball zu mir herüber, ich rollte ihn zurück, er gab ihm einen neuen Nasenstups usw.
„Was ich mag” stand auf seiner Facebook-Seite, ein Foto eines Fasans, ein Foto eines Tennisballs.

Amsel tapste durch die Tür – im Windfang hatte der Sturm Blätter und Zweigchen abgelegt -, drehte einen Halbkreis um die Regale, flatterte ins Schaufenster, verharrte dort eine Weile (stützte sich mit den Flügeln ab), hopste auf den Boden, machte ein paar Trippelschritte, kaperte die Theke, sich in kleinen Rucken seitlich bewegend (wie ein Kind auf einer Schaukel sich zurechtsetzt), flog auf einen geflochtenen Korb, hüpfte auf den Boden und tippelte wieder nach draußen.
Der Baum empfing sie mit lesbareren Blättern.

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